Panel: Wann ist ein Prophet ein Prophet? Islamische Begründungsdiskurse zum Prophetentum

Zeitplan

Raum: F 234, 2. OG, Fürstenberghaus
Tag Zeit    
Fr 09:00-09:30 Boisliveau Defining Prophethood in the Qur’an: the Messages of the Prophets
Fr 09:30-10:00 Koertner Dalā’il al-Nubūwa – Beweise des Prophetentum bei den Ḥadīth-Gelehrten
Fr 10:00-10:30 Lika Prophetologische Auseinandersetzungen zwischen Zaydiyya und Ismā‘īliyya

Panelleiterin:

Mareike Koertner

Chair:

Patrick Franke

Beschreibung des Panels:

Kriterien des Prophetentums gehören zu den bedeutensten Themen der islamischen Theologie. Dieses Panel beleuchtet verschiedene Begründungsdiskurse zum Prophetentum, ausgehend von Prophetiedarstellungen in den islamischen Primärquellen, Qur’ān und Ḥadīth, sowie die Position von Beweisen des Prophetentums in den theologischen Auseinandersetzungen verschiedener  schi‘itischer Gruppierungen.

Sektion:

Islamwissenschaft

Abstracts der Vorträge:

Boisliveau, Anne-Sylvie: Defining Prophethood in the Qur’an: the Messages of the Prophets

In the Islamic religious literature several criteria appear that assess the genuineness of the mission of a prophet or a messenger of God (rasūl/nabī). All these texts are based initially on the qur’ānic text, which indeed develops an extensive discourse about prophethood. Obviously the most central element of Islamic prophethood is the fact that prophets bring a message from God. But what message? In the continuation of biblical scenery, these contents are usually expected to be of the same type as those brought by the prophetic figures in biblical text and biblical culture. How does the Qur’ān exactly describe the ideas God is said to convey to mankind through the messengers? On the one hand, a relation is drawn with the concept of revealed scripture. On the other hand, the prophets bring three elements of dogma to be believed in: the resurrection of the dead and the subsequent ideas such as the Last Judgment; the oneness of God; and, curiously, the veracity of the messages of the prophets – the veracity of their divine origin. Moreover, it will be shown that the focus of the Qur’ān is not on the contents of these messages but on their status.

Koertner, Mareike: Dalā’il al-Nubūwa – Beweise des Prophetentum bei den Ḥadīth-Gelehrten

Das Bestreben, den prophetischen Status von Muḥammad zu belegen, hat schon früh zu Sammlungen von Dalā’il al-Nubūwa (Beweise des Prophetentums) Werken geführt. Diese Sammlungen widmen sich dem Zusammentragen von ‘Beweisen’ aus den Ḥadīth, der Sīra des Propheten und biblischen Texten oder theologischen Diskursen über die Beweisbarkeit von Propheten. Die Zusammenstellungen der akhbār, zu denen die bekanntesten Werke dieses Genres wie Abū Nu‘aym al-Iśfahānī (gest. 429/1038) oder al-Bayhaqī (gest. 458/1066) gehören, sind bisher hauptsächlich im Bereich hagiographischer Prophetenverehrung oder Folklore verortet worden, ohne ihre enge Verknüpfung mit der Ḥadīth-Wissenschaft in Betracht zu ziehen. Eine solche Einschätzung resultiert vor allem aus der nur unvollständig erschlossenen Quellenlage ebenso wie aus der vorrangigen Betrachtung späterer Werke.
Der Beitrag beleuchtet die frühe Phase der traditionsbasierten Dalā’il al-Nubūwa Literatur und zeigt, dass dieses Genre nicht im Bereich hagiographischer Anekdoten, sondern in den Kreisen der
kritischen Ḥadīth-Gelehrten des 2./8. und 3./9. Jahrhunderts seinen Ursprung hat. Die Untersuchung zeigt weiterhin auf, dass diese Werke Teil eines größeren religiösen Diskurses waren, der zum einen durch die polemischen Auseinandersetzungen mit Juden und Christen und zum anderen durch innerislamische theologische Auseinandersetzungen beeinflusst wurde.

Lika, Eva-Maria: Prophetologische Auseinandersetzungen zwischen Zaydiyya und Ismā‘īliyya

Das 4./10. Jahrhundert gilt in der islamischen Geschichte als das Jahrhundert der Ismā‘īliyya. In dieser Zeit gewann die Bewegung der sogenannten Fünferschī‘a rasch an Stärke, errichtete in Nordafrika das Fāṭimidenkalifat und im Süden der arabischen Halbinsel einen Qarmaṭensstaat und bedrohte so das ‘Abbāsidische Kalifat mit Sitz in Baghdad. Auch in der Region Ṭabaristān, im heutigen Nordiran, die teilweise von zayditischen Imamen beherrscht wurde, hatte die ismā‘īlitische Mission großen Erfolg. Die Auseinandersetzung verlief dabei nicht nur auf militärischer, sondern auch auf intellektueller Ebene.
Ein Beispiel hierfür findet sich im Text Ithbāt nubuwwat al-nabī aus der Feder des zayditischen Imams al-Mu’ayyad bi-llāh al-Hārūnī (gest. 411/1020). Im Rahmen eines klassischen Prophetiebeweises, wie er im Wesentlichen aus der rationalen Theologie der Mu‘tazila bekannt ist, kritisiert der zayditische Theologe die ismā‘īlitische Prophetielehre scharf. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die neoplatonisch inspirierten, zyklisch verlaufenden Prophetievorstellungen der Ismā‘īliyya und die Konsequenzen, die sich daraus für die Auslegung des religiösen Gesetzes ergeben. Zu den einflussreichsten ismā‘īlitischen Autoren der Zeit, die häufig erfolgreiche Missionare waren, gehören Abū Rātim al-Rāzī (gest. 322/934), Muḥammad b. Aḥmad al-Nasafī (gest. 332/943), Abū Ya‘qūb al-Sijistānī (gest zw. 353/964 und 393/1002) und Ḥamīd al-Dīn al-Kirmānī (gest. 411/1020). Vor dem Hintergrund ihrer Werke, diskutiert der Vortrag die einzelnen, von al-Mu’ayyad bi-llāh nur sehr knapp und stichpunktartig genannten Vorwürfe.