Panel: Annemarie Schimmel Kolleg – History and Society during the Mamluk Era (1250-1517)

Schedule

Room: F 234, 2. OG, Fürstenberghaus
Day Time    
Mo 13:30-14:00 Walker

History and Society during the Mamluk Era (1250-1517) – Program, Concept, Tasks (Introduction)

Mo 14:00-14:30 Gharaibeh Macht und Herrschaft in der frühen Mamlukenzeit
Mo 14:30-15:00 Redlinger

Architektonischer Raum und Erinnerungskultur: Überlegungen zu mamlukischen Bauinschriften

Mo 15:00-15:30 Angermann

Strategies in Medieval Muslim Historiography: The Example of al-Nuwayrī’s Nihāyat al-Arab

Mo 15:30-16:00 Pause
Mo 16:00-16:30 Al Ghouz

Die Zuordnung Ibn Taymiyyas (1263-1328) Machtdiskures in der frühmamlukischen Zeit - cancelled

Mo 16:00-16:30 Yosef

Ethnic Groups, Social Relationships, Schools of law and Succession in the Mamluk Sultanate (1250-1517)

Mo 16:30-17:00 Frenkel

From Maps to Geographical-History: A chapter in the Environmental-History of Mamluk Bilad al-Sham

Mo 17:00-17:30 Potthast

Mediterrane Diplomatie im Spätmittelalter – Friedensverträge Aragons mit Granada (1302) und den Mamlūken (1430)

Panel leader:

Mohammad Gharaibeh

Panel description:

The Annemarie Schimmel Kolleg, funded by the DFG and located at the University of Bonn, aims to make long-lasting contributions to Mamluk Studies through its support of individual and cooperative projects. In this panel, fellows, post-docs and PhD students will present their research produced at the Kolleg.

Section:

Islamic Studies

Abstracts of the individual presentations:

Angermann, Anna Katharina: Strategies in Medieval Muslim Historiography: The Example of al-Nuwayrī’s Nihāyat al-Arab

The past decade has seen a number of innovative analytical approaches to medieval Muslim historiography. The books by Franz (2004), Hirschler (2006), Shoshan (2004) and others have shed light on the works, methods and biographies of the authors under scrutiny and have changed our understanding of medieval Muslim historiography.

This project will contribute to this research field, investigating the 120 page section on Mongol history – that is Genghis Khan and his successors – in al-Nuwayrī’s famous masterpiece Nihāyat al-Arab. The aim is to decode this “Mamluk“ representation of Mongol history, exploring especially the author’s narrative strategies and methods. Thus, beside the historical contextualisation of both the author and his work, the examination of the text in question will be composed of a commented translation, a study of al-Nuwayrī’s compilation techniques and a narratological analysis.

The main objective is, on the one hand, to understand the text as such and, on the other, to embed it in the context of the Nihāya in particular and medieval Muslim historiography in general.

Frenkel, Yehoshua: From Maps to Geographical-History: A chapter in the Environmental-History of Mamluk Bilad al-Sham

Student of history often work hard to locate and historical names and to identify peripheral places. Rent developments, such as GIS for example, facilitate these researches. The records that were accumulated so far enables us to proceed to a more sophisticated stage of our studies and to move from discovering remote villages to the examination of maps.
The analysis of this visual information reveals:

1) A vulnerable society to nature’s hazards.

2) The participation of farming communities in the political economy of the era.

3) The close relations between villages in the countryside and local centers.

4) The bounds between towns and provinces.

This data informs us not only on vector lines of directions, communication, and hierarchy. It is quite useful for the production raster images that represent density of population, economy, taxation and endowments.

Gharaibeh, Mohammad: Macht und Herrschaft in der frühen Mamlukenzeit

Zahlreiche jüngere Studien konnten das lange vorherrschende Bild der „Orientalischen Despotie“ für die Mamlukenzeit widerlegen und zeigten, dass es die Gesellschaft des 13.-16. Jh. durch komplexe Strukturen geordnet war. Ähnlich komplex stellt sich die Organisation der mamlukischen Herrschaftselite und der Herrschaftswechsel dar. Verschiedene Fraktionen konkurrierten miteinander um die Dominanz am Hof. Der Sultan, der von der jeweiligen Gruppe gewählt bzw. bestimmt wurde, hatte vor allem die Aufgabe, die Macht der Mitglieder der eigenen Fraktion zu bestärken und zu erhalten, indem er sie mit Pfründe und Schlüsselpositionen bevorzugte. Die ausgesprochen kurze Herrschaftsdauer der verschiedenen Sultane und der häufigen Herrscherwechsel lassen zudem Zweifel an der politischen Wirkung in der Gesellschaft aufkommen und machen eine Analyse der sozialen Ordnung und ihrer Struktur umso wichtiger. Wenn darauf aufbauend die gesellschaftliche Ordnung nicht in dem Maße von einer zentralen Herrschaftsform abhängig war, muss auf der anderen Seite gefragt werden, ob Herrschaftslegitimation nicht auch immer nach außen gerichtet betrachtet werden muss. Neuere Studien nehmen dazu das mongolische Reich stärker in den Blick, dass sich durch eine starke Herrscherfamilie und ein religiöses Gesetzt, das „Yāsā“, legitimiert hat; zwei Legitimationsfaktoren, denen die Militärsklaven zunächst nichts entgegenzusetzen hatten. Seit der Herrschaft aẓ-Ẓāhir Baybars (reg. 1260-1277) wurde das ʿabbasidische Kalifat, und damit der Bezug zur šarīʿa, revitalisiert und Versuche unternommen, eine Herrscherdynastie zu initiieren, was Parallelen zur Herrschaftslegitimation der Mongolen erkennen lassen. Vor diesem Hintergrund soll ein erneuter Blick auf die Frühzeit der Mamlukenherrschaft geworfen und die Übergangszeit von der ayyubidischen zur mamlukischen Herrschaft analysiert werden.

Potthast, Daniel: Mediterrane Diplomatie im Spätmittelalter – Friedensverträge Aragons mit Granada (1302) und den Mamlūken (1430)

Verträge zwischen arabischen Herrschern und Herrschern im lateinisch geprägten Westeuropa aus vorosmanischer Zeit sind nur in geringer Anzahl erhalten geblieben. Die wenigen, nur etwa zwanzig erhaltenen Beispiele wurden bisher vor allem als Quelle zur Ereignisgeschichte untersucht. Ich möchte dagegen die diplomatische Kultur untersuchen: Wie hat man den Vertragspartner verstanden? Welche Kenntnisse musste ein Diplomat besitzen? Gab es eine gemeinsame diplomatische Sprache? Wie kam man zu einer Synthese von arabischer und lateinischer Urkundentradition? Welche Rolle spielte religiöses Denken im Urkundenformular?

In der inšāʾ-Literatur wurden diese Verträge für ihr schlechtes Arabisch kritisiert, was darauf zurückgeführt wurde, dass die Verträge mit Hilfe von Dolmetscher Wort für Wort festgelegt wurden. Zwei Verträge, deren Entstehung besonders gut dokumentiert ist – durch weitere spanische bzw. katalanische Dokumente, vor allem aber durch erhaltene arabische Vertragsentwürfe – ergeben ein differenzierteres Bild: Am 1. Januar 1302 wurde zwischen Aragon und Granada ein Friedensvertrag geschlossen, der im Sommer 1301 in Zaragoza ausgehandelt worden war. Ein undatierter, zweisprachiger Entwurf kann diesen Verhandlungen zugeordnet werden. Sie erfolgten damit in Spanisch und andalusischem Arabisch. Der endgültige Vertrag wurde dann von der Kanzlei in Granada erstellt und frei in ein Hocharabisch umgewandelt. Der genaue Wortlaut wurde damit nicht bilateral festgelegt, sondern nur die Inhalte.

Ein Vertrag zwischen Aragon und den Mamlūken von 1430 bestätigt dagegen die inšāʾ-Literatur: Ein in Ägypten angefertigter Entwurf entspricht sprachlich wie in der äußeren Form offiziellen mamlūkischen Dokumenten. Erst der auf Rhodos auf dieser Grundlage ausgehandelte Vertrag verzichtet sowohl auf das übliche Layout mamlūkischer Dokumente und ist außerdem in dialektalem Arabisch verfasst.

Somit zeigen die erhaltenen Verträge deutliche Unterschiede zwischen andalusisch-maġribinischer und ägyptischer Urkundentradition, die darauf zurückzuführen sind, dass im Westen weit mehr Elemente einer lateinischen Urkundentradition aufgegriffen wurden.

Redlinger, Daniel: Architektonischer Raum und Erinnerungskultur: Überlegungen zu mamlukischen Bauinschriften

In der mamlukischen Architektur in Syrien und Ägypten bilden religiöse Texte und Formulae neben Eulogien einen wichtigen Bestandteil innerhalb des Corpus der Bauinschriften. Die Inschriften an prestigeträchtigen öffentlichen Bauten sind Teil eines architektonischen Gesamtkonzeptes und einer durch die Machtelite initiierten Ausdrucksform, die in einen direkten Bezug zu der Funktion des Baus und seiner Bedeutung für den Bauherrn gesetzt werden muss. Die Inschriften übernehmen als wichtiger Faktor der öffentlichen Darstellung der Sakralität von Herrschaft maßgeblich die Funktion als Projektionsfläche für ein spezifisches politisches Programm zu dienen und sind somit als wichtiger Faktor einer Legitimierungsstrategie der mamlukischen Machtelite zu betrachten.

An Hand einer Anzahl von Bauten aus der Mamlukenzeit sollen in dem Vortrag die unterschiedlichen Ebenen diskutiert werden, auf denen sich die „Sprache der Propaganda“ in Bauinschriften manifestiert. Hierfür beschränkt sich die Analyse der Inschriften nicht auf deren reinen Textgehalt, sondern berücksichtigt auch die Positionierung der Inschriften im architektonischen Raum, die Verwendung der unterschiedlichen Textgattungen, die kalligraphische Gestaltung als Teil eines ästhetischen Gesamtkonzeptes, sowie das Verhältnis der Schrift zu anderen Dekorelementen.

Durch diese erweiterte Analyse der Inschriften lässt sich erkennen, dass die in den Inschriften verwendete „Sprache der Propaganda“ als Bestandteil des durch den Herrscher geschaffenen öffentlichen Raumes nicht als ein exklusiver Code einer Machtelite, sondern vielmehr eine direkte visuelle Kommunikation zwischen der herrschenden Elite und den Beherrschten zu verstehen ist. Als ein mnemotechnisches System stellen die Bauinschriften Referenz- und Bezugspunkte zu spezifischen religiös geprägten Denk- und Erfahrungswelten dar, die unmittelbar mit einem idealisierten Geschichtsbild verknüpft sind. Durch diese Verbindung von räumlichen und historischen Dimensionen innerhalb der vorgestellten Bauten der Herrschaftsarchitektur, dienen die Bauinschriften als wichtiges Medium der Propaganda maßgeblich dazu, den Bauherrn in ein legitimierendes Geschichtsbild einzugliedern.

Walker, Bethany: Annemarie Schimmel Kolleg – History and Society during the Mamluk Era (1250-1517) – Program, Concept, Tasks
Yosef, Koby: Ethnic Groups, Social Relationships, Schools of law and Succession in the Mamluk Sultanate (1250-1517)

It is commonly believed that during the Mamluk Sultanate period (1250-1517) the hereditary and dynastic tendencies were weak. The sultans and emirs (officers) could not transfer their status, privileges and property to their descendants, and the right to serve as sultans was reserved exclusively for Mamluks (military slaves). It is customary to divide the Mamluk Sultanate period into two sub-periods by the ethnic identity of its rulers: the Turkish period (1250-1382) and the Circassian period (1382-1517).

In my doctoral dissertation I have argued that only during the Circassian period a considerable decline of the biological family occurred which led to an erosion of the dynastic and hereditary practices. I suggested that the reason for this change was twofold: in this period Mamluks usually fathered children only at an advanced age, and, in addition, many of the Mamluks’ descendants died because of the frequent plagues that hit Egypt during that period. As a result, most of the Mamluks left no descendants old enough to inherit their status, privileges or property.

In the current project, I am examining additional changes that occurred during the Circassian period that are also related to the waning of the dynastic and hereditary practices. One such change is connected with the relationship between the sultans and the Sunni schools of law. During the Turkish period almost all the sultans were leaning towards one of these schools, the Shafi’i. In contrast, the sultans of the Circassian period were all adherents of the Hanafi school of law. It seems that some legal and social aspects of the Hanafi school of law may have been relevant to the changes that occurred in the Circassian period.