Abstracts Indo-European Linguistics

Schedule

Room: F 104, 1. OG, Fürstenberghaus
day time    
Wed 11:00-12:00 Eichner Heureka zur Entzifferung des Lemnischen
Wed 12:00-12:30 Kulikov Time and the origin of the Universe: Early Indo-Aryan and Indo-European cosmogonic views (Kālasūkta, Rgveda and Indo-European parallels)
Wed 12:30-13:00 Janda Die Selbstbezeichnung der Indoiranier
 
Thu 09:00-09:30 Pinault In praise of the sun
Thu 09:30-10:00 Ittzés Light verb constructions with the verb kar- in the Rigveda
Thu 10:00-10:30 Sadovski Ritual poetry and “ritual grammar” in Old Indian and Old Iranian traditions
Thu 10:30-11:00 break
Thu 11:00-11:30 Sommer Die jungavestischen Partizipien aus funktionaler Perspektive
Thu 11:30-12:00 Hill Avestisch bǝrǝjaiia-, bǝrǝxδa- und die Centumreflexe der grundsprachlichen Palatovelare im Baltoslavischen
Thu 12:00-12:30 Elst Die linguistischen Argumente für eine südasiatische Urheimat der Indogermanischen Familie
Thu 12:30-13:30 lunch break
Thu 13:30-14:00 Rezazadeh On Iranian Origin of Some Words in Azerbaijan Present Language
Thu 14:00-14:30 Yakubovich

Phoenician and Luwian in the Kingdom of Que/Hiyawa

Thu 14:30-15:00 Serangeli ‚Doppelter‛ Dativ und Dativ mit Infinitiv im Lykischen
Thu 15:00-15:30 Vernet The presence of Philistines in Canaan: a new examination
Thu 15:30-16:00 break
Thu 16:00-16:30 Kümmel Bewahrte Laryngale im Armenischen und Westiranischen?
Thu 16:30-17:00 Edisherov „τίω δέ μιν ἐν καρὸς αἴσῃ“ – Zur Bedeutung eines homerischen Hapax

Chairs:

Wednesday: Martin Joachim Kümmel

Thursday, 09:00-10:30: Ilya S. Yakubovich

Thursday, 11:00-12:30: Georges-Jean Pinault

Thursday, 13:30-15:00: Heiner Eichner

Thursday, 15:00-17:00: Velizar Sadovski

 

Relevant interdisciplinary panels:

Multilingualism and Social Experience in Pre-Modern Societies of Ancient Eurasia: Socio-Economic, Linguistic, and Religious Aspects

 

Abstracts of the individual presentations:

Edisherov, Ilia: „τίω δέ μιν ἐν καρὸς αἴσῃ“ – Zur Bedeutung eines homerischen Hapax

Das Wort καρὸς  (I.378) ist ein Hapax und hat weder eine bestimmte allgemein angenom-mene Bedeutung noch die nachgewiesene Nominativ-Form. Die unterschiedlichen Über-setzungen des Ausdruckes sind lediglich in dem gesamten Kontext des Fragmentes und in der (vermuteten) Ableitung von dem Lexem κείρω begründet.

Der in den Hesychios‘ Scholien dargestellte Erklärungsversuch von Aristophanes von Byzanz (θανάτου μοίρᾳ oder ἐν κηρὸς) wird heutzutage übereinstimmend abgelehnt. Aller-dings geben auch die vorgeschlagenen Übersetzungen die genaue Bedeutung nicht ganz präzis wider und lassen nicht die Etymologie des Wortes erkennbar werden.

In dem Beitrag wird es versucht, genaue Bedeutung sowie die Nominativ-Form des Lexems καρὸς zu erforschen. Ferner werden die semantischen und syntaktischen Eigenschaften dieser Wortverbindung untersucht. Bei der Rekonstruktion werden die lautgesetzlichen Prozesse, etymologische und typologische Parallelen analysiert, sowohl im Rahmen des Griechischen als auch des Indogermanischen; auch Beispiele aus den nicht-indogermanischen Sprachen werden berücksichtigt. Der Ausdruck wird also in einem engen syntaktischen, kulturellen und historischen Kontext betrachtet.

Die Untersuchung zeigt, dass diese Wortverbindung sich als eine phraseologische Einheit mit einem Körperteil als Komponenten erweist, ein Somatismus also, in welchem das Lexem καρὸς sich als „Haar, Locke“ übersetzen lässt. Es liegt die Vermutung nahe, dass die zahlreichen etymologischen und typologischen Übereinstimmungen auf einen gemeinsamen sprachlichen Ursprung zurückzuführen sind. Diese Erkenntnis ist relevant für die Rekonstruktion des gemeinindogermanischen Wortschatzes allgemein und des poeto-logischen Inventars insbesondere.

Eichner, Heiner: Heureka zur Entzifferung des Lemnischen

Als „Tyrsener“ werden in der Antike sowohl die Etrusker in Italien als auch die Bewohner der Insel Lemnos und benachbarter Gebiete der Ägäis (hier auch als „Pelasger“) bezeichnet. Die Frage nach den Gründen dieser Namengleichheit über eine Distanz von tausend Kilometern hat schon
Herodot auf seine Weise beantwortet, durch den Bericht von einer Auswanderung aus Lydien unter Führung des Königssohnes Tyrsenos. Mit dem Fund einer Inschriftenstele im Jahr 1885 im Dorf Kaminia auf Lemnos, in deren Sprache sofort eklatante Übereinstimmungen mit dem Etruskischen
aufgefallen sind, hat sich auch der modernen Wissenschaft die Möglichkeit zur Erforschung des Problems eröffnet. Aus der Diskussion um die „Ursprünge der Etrusker“ ist die Stele von Lemnos (Kaminia) seither nicht mehr wegzudenken. Aber obwohl sie zu den meistdiskutierten Sprachdenkmälern des Altertums gehört, und obwohl später einige Kleintexte aus Lemnos hinzugekommen sind, trozt sie bislang allen Versuchen der Entschlüsselung, und von wenigen Wörtern abgesehen bleibt ihr Inhalt in Dunkel gehüllt. Selbst bahnbrechende Einzelerkenntnisse von Wilhelm Brandenstein, Helmut Rix und Dieter Steinbauer sind isoliert geblieben und können die Situation nicht grundlegend ändern. Die aktuelle ausführliche Übersicht in Bellelli (2012) legt davon beredtes Zeugnis ab.

Es handelt sich um eine quaderförmige Grabstele mit dem Relief eines Mannes, das im Detail seinerseits schwierige Interpretationsprobleme aufwirft. Sowohl über die Vorderseite als auch über die rechte Schmalseite laufen Schriftzeilen mit nahezu zweihundert Buchstaben, ohne dass die Reihenfolge der zehn oder eher elf Zeilen selbstevident wäre. Nachdem etwa ein Dutzend Vorschläge zur Bestimmung der Zeilenfolge vorgelegen haben, hat es der Vortragende unternommen, dieses Problem zu lösen. Aus der „astronomischen“ Anzahl der mathematischen Möglichkeiten von fast vierzig Millionen (11! = 39. 916.800) hat er diejenige Zeilenfolge ausgewählt, bei der maximale Übereinstimmung im Formular zweier Texte A und B erzielt wird (Eichner 2012). Zu diesem Zweck musste in sorgfältiger Überprüfung des epigraphischen Befunds erst ein „gordischer Knoten“ diagnostiziert und zerschlagen werden, der in einer kleinen Gruppe von fünf Schriftzeichen verborgen lag. Bei den Lautwerten der Schriftzeichen hat die verblüffend einfache Lösung, den Buchstaben Zeta generell als Affrikate Zeta (ts) zu lesen („Zetazismus“), und nicht wie allgemein üblich mit dem Lautwert eines Sibilanten Sigma, neue Bezüge zum Etruskischen erschlossen.

Auf der Grundlage dieser beiden Fundamente hat die Entzifferung dann rasche Fortschritte gemacht und konnte in der letzten Zeit komplettiert werden. Auf Schritt und Tritt zeigt sich der Selbstbestätigungseffekt der einzig richtigen Lösung. Beide Texte erläutern sich gegenseitig und sind jetzt voll verständlich, für nahezu jedes Wort wird eine Entsprechung im Etruskischen aufgezeigt. Der Textinhalt erlaubt ebenso überraschende wie tiefgehende Einblicke in die politische Gliederung, das Ämterwesen, die Familientraditionen der Nobilität und die multiethnische Symbiose von Tyrsenern, Griechen und Thrakern auf der Insel im 7.- 6. Jahrhundert. Das lemnische Namensystem steht wie das der Räter und Veneter noch auf der patronymischen Vorstufe zum mittelitalischen Gentilnamensystem der Etrusker, Latino-Falisker und Sabeller. Zehn Personennamen schließen sich zu drei Genealogien zusammen, bis hinauf zum Groß- oder Urgroßvater. Zwei phänomenale Ämterlaufbahnen scheinen auf, in je einem lokalen Zentrum in West- und Ostlemnos. Für die Frage des geographischen Zusammenhangs mit dem Etruskischen können aus Phonologie und Morphologie, aus den Personennamen und aus der Terminologie der Magistraturen etliche areal- und soziolinguistische Indizien eruiert werden, die auf Herkunft aus sozial niederen Schichten Altitaliens mit Bezug zu Nordetrurien und mit deutlicher indoeuropäischer Komponente weisen. Entsprechende – in jüngster Zeit besonders prominent von Carlo de Simone vertretene – Theorien erscheinen in neuem Licht. Die Ergebnisse der Entzifferung sind nun mit den archäologischen Befunden zu akkordieren, die bisher keinerlei Hinweise auf die Herkunft aus Italien liefern. Trotz enger Verwandtschaft mit Etruskisch und Rätisch erweist sich das Lemnische in der seit einigen Jahren neu etablierten „tyrsenischen Sprachfamilie“ als selbständige dritte Sprache mit eigenem Profil.

Eichner 2012 = Heiner Eichner, Neues zur Sprache der Stele von Lemnos (Erster Teil). Journal of Language Relationship / Voprosy jazykovogo rodstva 7, 2012, 9-32.
Bellelli 2012 = Vincenzo Bellelli (ed.): Le origini degli Etruschi. Storia – Antropologia – Archeologia. Roma: Bretschneider 2012 (Studia Archaeologica; 186). [Darin insbesondere: Luciano Agostiniani, Sulla grafia e la lingua delle iscrizioni anelleniche di Lemnos, 169-194].

Elst, Koenraad: Die linguistischen Argumente für eine südasiatische Urheimat der Indogermanischen Familie

In der Debatte über die Urheimat der indogermanischen Sprachfamilie geht es am meisten um die osteuropäische und die anatolische Hypothese. Daneben gibt es auch die “Out of India Theory” (OIT), die am Anfang der indogermanischen Philologie die dominante Hypothese war. Bald aber wurde Indien von einer europäischen Urheimat  ersätzt, und seit etwa 1840 sind Variationen darauf die offizielle Lehre geblieben. Indien soll von aussen mit indogermanischsprachigen Leuten bevölkert sein, so will die “Aryan Invasion Theory” (AIT).  Nachdem is die AIT politisch verwendet, erst als Rechtfertigung der Kolonisation von den englischen “Cousinen” der damaligen arischen Einwanderern, später als Illustration des nationalsozialistischen Weltbilds. Nach der Dekolonisation hat sie den Regierungspolitik Indiens und verschiedenen sozialen oder ethnisch-separatistischen Bewegungen informiert. Seit etwa 1990 wird in Indien wieder für die OIT argumentiert. Abendländische Philologen wissen oftmals nicht dat es überhaupt eine OIT gibt, oder haben ein völlig karikaturales Bild derselben. 

Die meisten indischen Archäologen sind jetzt von der OIT überzeugt weil die astronomischen Anweisungen innerhalb der vedischen Literatur und die ersten genetischen Entdeckungen darauf hinweisen, und ein archäologisches Beweis für die AIT nie gefunden ist (obwohl es Versuche gibt). AIT-Verteidiger sagen dass dieses Beweis “noch” nicht gefunden ist, aber dass es wenigstens linguistisch keine Zweifel an der europäischen Urheimat gibt. Die meisten indischen Polemiker sind nicht von den sprachlichen Argumenten überzeugt weil sie die moderne Linguistik einfach ablehnen. Jetzt präsentieren wir die Argumenten der wenigen Verteidigern der OIT die sich met der modernen Linguistik einverstanden haben, am meisten die des Sanskritprofessors Nicholas Kazanas aus Athen (der Jahrzehnte lang die AIT gelehrt hat), des Freizeithistorikers Shrikant Talageri aus Mumbai, und des Sankritprofessors Girish Nath Jha aus Delhi.

  • Wie die ersten Indogermanisten behaupteten, verhält die vedische Sprache sich anders zu die rekonstruierte proto-indogermanische Sprache als die anderen Töchtersprachen: obwohl sie einigen leichten Änderungen erfahren hat (Satem, e/a/o > a), steht sie ihr strukturell näher.
  • Die “linguistische Paläontologie” kann wiederinterpretiert werden als Bestätigung der OIT.
  • Das Avestisch und die indo-arische Elemente in der Mitanni-Sprache haben typische Kennzeichnen der Endzeit des Rg-Veda, sind also jünger, und nich älter wie die AIT will.
  • Im grossen Nordwesten Indiens gibt oder gab es mehrere Sprachen die beweisen dass es dort ursprünglich Kentumsprachen gab: Tocharisch, Proto-Bangani und eine Klasse Lehnwörter im Buruschaski.   
  • Die bestehenden Liste von indo-iranische Entlehnungen im Uralischen zeigen nur dass Aussiedler aus der indo-iranischen Heimat unter uralischen Sprechern ihre Wörter mitgeteilt haben, und bestimmt nicht dass die Indo-Iraner aus uralischsprechenden Gebiet kommen.

Obwohl die echten Argumente besser sind als die Karikaturen welche Gegner von ihnen machen, werden wir sie natürlich kritisch im Licht halten.  

Hill, Eugen: Avestisch bǝrǝjaiia-, bǝrǝxδa- und die Centumreflexe der grundsprachlichen Palatovelare im Baltoslavischen

Im Vortrag wird gezeigt, wie eine genauere Berücksichtigung des iranischen Vergleichsmaterials zur Lösung alter Probleme in der historischen Phonologie der indogermanischen Sprachen Europas beitragen kann. Eines der ältesten Probleme ist die Centumfortsetzung der urindogermanischen Palatovelare in einigen baltischen und slavischen Lexemen. Diese Erscheinung glaubt man z.B. in urslav. *bergъ ‘steiles Ufer, Berg’ (aksl. brěgъ, russ. béreg) zu beobachten, das zusammen mit urgerm. *bergaz ‘Berg’ (ahd. berg, an.
bjarg) auf uridg. *bʰerʰ ‘hoch sein’ (ved. bhánt, jav. bərəzǝnt, arm. barjr, heth. parku) zurückgeführt wird. Auf dieselbe Wurzel führt man gelegentlich auch urslav. *bergǫ ‘hüten, bewahren’ (aksl. brěgǫ, russ. beregú) und urgerm. *bergan ‘bergen’ (got. bairgan, ahd.
bergan, an. bjarga) zurück (vgl. Pokorny 1954: 145, Seebold 1970: 106f.). In beiden Fällen rechnet man mit einer Centumfortsetzung von uridg. *ʰ im Slavischen. Eine genaue Untersuchung der Verwendung von jav. bǝrǝjaiia, bǝrǝxa macht es möglich, die slavischen Wörter anders zu erklären. Die Semantik von jav. bǝrǝjaiia an den drei erhaltenen Belegstellen legt einen direkten Vergleich mit der Wurzel von urslav. *bergǫ und urgerm. *bergan nahe (vgl. bereits LIV2 80f.). Dieser Vergleich setzt ein uridg. *bʰergʰ bergen, bewahren’ mit uridg. *gʰ im Wurzelauslaut voraus. Dieselbe Wurzel liegt wohl dem Wurzelnomen uridg. *bʰgʰʹ zugrunde, das sicher in urgerm. *burg ‘Burg’ (got. baurgs, ahd. burg, an. borg), möglicherweise auch in urkelt. *brig ‘Hügel, Berg’ (air. brí, mrí) fortgesetzt ist. Urslav. *bergъ ‘steiles Ufer, Berg’ und urgerm. *berga ‘Berg’ lassen sich als
Fortsetzer einer V>ddhiableitung des Typs ‘Nabel’ → ‘Nabelgegend’, ‘Rippe’ → ‘Rippengegend’ hier anschließen. Also uridg. *bʰergʰ ‘bergen, bewahren’ (> aksl. brěgǫ) → *bʰgʰʹ ‘Fliehburg’ → *bʰérgʰo ‘Berg, steiles Ufer’ (> aksl. brěgъ) mit regulärem aksl. g aus uridg. *gʰ.

Ittzés, Máté: Light verb constructions with the verb kar- in the Rigveda

The paper presents an analysis of the light verb constructions of the Rigveda consisting of a noun and the light verb kar- ’to make, to do’ and their role in Early Vedic morphology and syntax.

In previous papers I have argued that light verb constructions – far from being merely stylistic or pragmatic variants – apparently have a special grammatical function in the earliest Vedic texts (i.e. the hymns of the Rigveda). The evidence gathered from maṇḍalas II–IV of the Rigveda has suggested that Funktionsverbgefüge make up a kind of suppletive paradigm with corresponding simple verbs (śruṣṭíṃ kar- with aorist and perfect forms [4x in the Rigveda] beside the simple verb śroṣ- inflected exclusively in the present tense; vimócanaṃ kar- inflected in the middle voice [1x in the Rigveda] beside the simple verb ví moc-, which seems to have been activum tantum in Early Vedic). In my paper I shall present the results of the analysis of further maṇḍalas in order to see if the above conclusion is valid for the whole corpus, i.e. if suppletion is really an integral feature of these constructions or whether there exist such constructions as well which are nothing more than stylistic or pragmatic variants of simple verbs.

Kümmel, Martin Joachim: Bewahrte Laryngale im Armenischen und Westiranischen?

Bekanntlich beginnen im Armenischen eine größere Zahl von Erbwörtern mit h-, das weder auf idg. *snoch auf *p- zurückgeführt werden kann, sondern gewissermaßen „prothetisch“ ist. Die Deutung dieser Fälle ist umstritten: Nach Kortlandt (1983, 1984) sind die uridg. Laryngale *h₂- und *h₃- unter bestimmten Bedingungen als h- vertreten, so z.B. in arm. haw ‚Großvater‘ < *h₂ewh₂o- (vgl. heth. ḫuḫḫa-), hot ‘Geruch‘ < *h₃édos. Andere nehmen dagegen an, dass es sich um einen sekundären h-Vorschlag ohne etymologische Bedeutung handle.

Keine Rolle in dieser Diskussion hat gespielt, dass „prothetische“ h- und x- auch in westiranischen Sprachen (besonders im Kurdischen, Mittel- und Neupersischen) nicht selten sind (vgl. z. B. Hübschmann 1895: 264f.; Korn 2005: 154-159) und manchmal in den gleichen Fällen vorkommen: Vgl. arm. howm ‚roh‘ = mpers. pahl. h’m /xām/; arm. haw ‚Vogel‘ neben der Ableitung *(h)āwya-ka- in mp. pahl. h’dyk /xāyag/ ‚Ei‘.
Auch in diesen Sprachen gehen natürlich ein wesentlicher Teil der betroffenen Wörter auf uridg. Wörter mit Laryngalanlaut zurück, so dass sich prinzipiell die gleiche Frage stellt wie beim Armenischen: Beruht die faktische Vertretung des uridg. Laryngalanlauts auf Bewahrung oder ist sie sekundär? Zur Klärung dieser Problematik möchte ich durch eine Diskussion der methodischen Fragen und eine nähere Untersuchung des Materials beitragen.

Literatur
Hübschmann, Heinrich ( 1895). Neupersische Studien. II. Theil, Neupersische Lautlehre. Strassburg: Trübner.
Korn, Agnes (2005). Towards a Historical Grammar of Balochi. Studies in Balochi Historical Phonology and Vocabulary. Wiesbaden: Reichert.
Kortlandt, Frederik H. H. (1983). Notes on Armenian historical phonology III: h-. Studia Caucasica 5, 9-16. – (1984). PIE. *H- in Armenian. Annual of Armenian Linguistics 5, 41-43.

Kulikov, Leonid: Time and the origin of the Universe: Early Indo-Aryan and Indo-European cosmogonic views (Kālasūkta, Rgveda and Indo-European parallels)

Traditionally, the early Vedic period of Indian thought, as represented, above all, in the philosophical hymns of the Rgveda and Atharvaveda, is regarded as essentially pre-philosophical, with no elaborated philosophical systems similar to those which we find in the Classical Indian period, approximately 1000 years later. During this ‘pre-philosophical’ period, we only find separate, isolated and/or scattered statements, rather short texts (such as the RVic cosmogonic hymn 10.129, notorious for its explicit cosmogonic agnosticisism), briefly dealing with some fundamental issues such as the origin of the Universe.

Yet, there is an early Vedic text (roughly contemporaneous with the late Rgveda), which sheds more light on the Ancient Indian (and, presumably, Indo-European) views on the origins of the Universe – the Atharvavedic hymn, known as ‘Kālasūkta’ (Śaunakīya 19.53-54 = Paippalāda 11.8-9).

The paper will offer the linguistic and historico-comparative analysis of the Kālasūkta, paying special attention to the Old Indo-Aryan beliefs on the origin of the Universe and the concept of Time as well as to parallels in other ancient Indo-European traditions. It will be argued that this hymn, created at the end of the early Vedic period, may point to the existence of several well-elaborated fragments of early philosophical systems and cosmogonic views (which later could later serve as basis for developing full-fledged philosophical systems), probably going back to the late Common Indo-European times.

Pinault, Georges-Jean: In praise of the sun

Recent insights and advances in the reconstruction of the Proto-Indo-European nominal morphology, following the tracks of the Erlangen school and of the late Jochem Schindler, have some impact on the etymological interpretation of several nominal stems of the basic Proto-Indo-European vocabulary. It is well-known that some of these nouns follow the heteroclitic inflection that had recourse to the substitution *-r/n- or *-C(e)r/n- at the end of the stem, the nasal stem allomorph being characteristic of the weak  cases. A similar pattern is followed by nouns that have other suffixes in the strong cases, such as *-i- or *-l-, and even zero. The paper will try to ascertain which is the most archaic heteroclitic pattern, arguing that *-r (and other allomorphs according to the different inflectional types) is probably original for the strong cases. It remains to be explained how *-r could be replaced by other suffixes. A case in point is the noun for ‘sun’, which is reconstructed as a stem following the amphikinetic inflection. This substantive was always animate, meaning ‘provided with light’, or ‘the lightening one’, based certainly on a derivative of a root meaning ‘to shine’ or ‘to illuminate’, scil. the earth and the living beings. It is also remarkable that this noun gives the best testimony so far of an *-l/n- stem, albeit in a complex suffix. This case will be substantiated through reappraising the etymology of the Vedic noun s(ú)varṇar(a)-, which has remained until now a puzzle.

Rezazadeh, Salar: On Iranian Origin of Some Words in Azerbaijan Present Language

The language that spoken in Azerbaijan area (belong to Iran) is Turkish now. That surviving documents and sources from past time show before starting Turkish language in Azerbaijan, azeri dialect that was a branch of Iranian Languages, current in this region. The earliest reference to azeri is the statement by Ebn al-Moqaffa (d. 142/759) quoted by Ebn al-Nadim to the effect that the language of Azerbaijan was fahlaw (al-fahlawīya) “pertaining to fahla” and that fahla was the region comprised of Isfahān, Ray, Hamadān, Māh Nahāvand and Azerbaijan (Yarshater, 1989, 238).

Some words of azeri dialect in present language of Azerbaijan remained that linguistic scholars research about them on some articles and books. Some words that current in language of Azerbaijanʼs people that in standard Persian language and even in classical Persian texts didnʼt use, and merely survive from pre-islamic Iranian languages. Author listed some of them in this paper.

Sadovski, Velizar: Ritual poetry and “ritual grammar” in Old Indian and Old Iranian traditions

After a series of studies of various aspects of the large Indo-Iranian corpus of ritual poetry and the corresponding ritual practices (three articles already published in Die Sprache 48 [2009], the Gedenkschrift Jochem Schindler [2012], and the Pro­­­ceedings of the 12th World Sanskrit Confe­r­ence in Kyoto [2013], respectively), this paper is concerned with tex­tu­al material from the Athar­va­veda, the Vedic ‘book of spells’ par excellence (and especially with the recently found fragments of its Paippalāda Saṃhitā) and various Yajurvedic ritual texts, in (genealogical) comparison with Ancient Iranian, esp. Ave­stan texts (Vīdēvdād, Yašts) – but also in contrastive ana­ly­sis of certain typological parallels given by Greek and Graeco‑Ro­man spells and charms. Beside questions of possible reconstruction of the respective techniques of formulation on the background of the specific ritual pragmatic contexts, the present paper will also consider issues of possibly inherited (and modified) phraseology, stylistics, syntax, and of the various intertextual relationships within the Indo-Iranian tradition.

Serangeli, Matilde: ‚Doppelter‛ Dativ und Dativ mit Infinitiv im Lykischen 

Der ‚Doppelte Dativ‛, welches Syntagma aus dem Dativ eines Konkretums (mit Rolle des Agens oder des Patiens) und eines Nomen actionis (mit finaler Funktion) besteht, entwickelt sich durch einen Grammatikalisierungsprozess in den idg. Sprachen unterschiedlich (Indo-Iranisch: H. Hettrich 1984; Anatolisch: H. A. Hoffner- H. C. Melchert 2008: 333; Griechisch: J. L. García Ramón, im Druck). In diesem Beitrag wird versucht darzustellen, wie sich das Lykische innerhalb dieses Prozesses einordnen lässt.

Mit einer Ausnahme (TL 4.4-5, 39.7, 50.1-2 min͂ti: aladehali, einem Doppelten Dativ des Typs ved. índrāya pā́tave) bietet das Lykische einige Syntagmen an, die aus dem Dativ eines Belebten und eines Infinitivs bestehen, der ein altes Nomen actionis im Dativ ersetzt hat. Die Komponenten dieses Syntagmas sind autonom und beide gehören deswegen zu der ersten Entwicklungsstufe des Grammatikalisierungsprozesses.

Darüber hinaus ist der lykische Infinitiv mit prädikativ-gerundivischer Funktion auch mit  besonderen Konstruktionen belegt: a. mit Agens und Patiens im Dativ    b. mit Agens im Nominativ (wie auch im Hethitischen und Hieroglyphen Luwischen)          c. mit Patiens der aus einem Nebensatz besteht         d. ohne Agens (wie bei den sog. luw. „Agentless Gerundiva“ im Sinne von H. C. Melchert 2004).

Sommer, Florian: Die jungavestischen Partizipien aus funktionaler Perspektive

Wie weite Bereiche der altiranischen Syntax ist auch der Gebrauch der jungavestischen Partizipien kaum untersucht (vgl. Skjærvø 2009:141-144 für einen aktuellen, aber knappen Überblick). Neben der philologischen Durchdringung aller relevanten Belegkontexte ist zu dem Zwecke ihrer Erforschung vor allem ein adäquates linguistisches Beschreibungsinstrumentarium erforderlich.

Aufgrund ihrer nominalen Flexionsmorphologie werden Partizipien oft der Wortart Adjektiv zugeschlagen und syntaktisch als adnominale Modifikatoren, also Attribute, kategorisiert (vgl. Ylikoski 2003:198, 226-229). Somit werden sie funktional Relativsätzen gleichgesetzt, was sich unter typologischem Gesichtspunkt dadurch rechtfertigen läßt, daß in vielen Sprachen Partizipien tatsächlich eine zentrale Strategie zur Relativisierung darstellen (vgl. Lehmann 1984:49-58,156-157). Gerade in einer Sprache, die über ein reiches System pronominaler Relativisierungsmöglichkeiten verfügt, wie dem Jungavestischen, dürfte einer solchen Funktion allerdings eher eine marginale Stellung zukommen.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen sollen daher die Relationen der durch Partizipien ausgedrückten Sachverhalte zu denen der finiten Matrixsätze. Das Hauptaugenmerk wird auf dem adverbalen / adsentenziellen Gebrauch der Partizipien liegen. Eine solche Funktion nicht-finiter Verbalformen wird in einschlägiger Literatur oft mit dem Begriff „Konverb“ verbunden, in Abgrenzung zur primär attributiven Funktion von Partizipien (vgl. Haspelmath 1995). Es bestehen nun gute Gründe zu der Annahme, daß Partizipien im Jungavestischen (bzw. generell in vielen indogermanischen Sprachen) andere zentrale Funktionen als die der Attribution besaßen (oder zumindest weitere zentrale Funktionen). Daher soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit jungavestische Partizipien zum Ausdruck von Relationen zwischen Sachverhalten, für die sprachübergreifend eher Konverben Verwendung finden, gebraucht werden.

Zitierte Literatur:

Haspelmath, Martin (1995): The converb as a cross-linguistically valid category. In: Martin Haspelmath und Ekkehard König (Hrsg.): Converbs in Cross-Linguistic Perspective. Berlin / New York: Mouton de Gruyter.
Lehmann, Christian (1984): Der Relativsatz. Tübingen: Gunter Narr.
Skjærvø, Prods Oktor (2009): Old Iranian. In: Gernot Windfuhr (Hrsg.): The Iranian Languages. London / New York: Routledge. S. 43-195.
Ylikoski, Jussi (2003): Defining Non-finites: Action Nominals, Converbs and Infinitives. In: SKY Journal of Linguistics 16. S. 185-237.

Vernet, Mariona: The presence of Philistines in Canaan: a new examination

The Ancient Testament mentions twice the presence of kārī in Philistia. The identification of these kārī has been discussed among scholars. The ancient translations of the Hebrew Bible and also the Jewish tradition of the Middle Ages did not explain this word. In the Septuagint, this term appears as Χορρεί in both passages. Most modern scholars and translators identify the kārī with the kerētī ‘the Cheretites’ (Cretans) but do not explore the problem. Nevertheless, some scholars have observed that this term could be referring to the Carians. The first person to make this connection was H. Ewald, who in 1886 (p. 135) identified the kārī with the Carians mentioned in Herodotus. This observation was also defended by such other scholars as Montgomery-Gehman (1951: 85-86) and Gray (1964: 516), etc.

The purpose of this contribution is to examine again this question and to give a new explanation according to which the modern identification of kārī with the kerētī ‘the Cheretites’ (Cretans) would be curiously reminiscent of the lectio facilior made back in ancient times. According to my opinion, this ancient correction should be interpreted as a hypercorrection made by the scribes and in consequence, the kārī that appear in the Ancient Testament, should be interpreted as the Carians. It is possible that they arrived in Canaan from Caria, as a part of the Sea Peoples. I would like to defend as well the presence of Carians as Sea Peoples in Canaan giving a new etymology for the Philistean PN Goliath. To my opinion, PN Goliath would be related to Carian PN Wljat, which came from PIE. *welH- ‘to be strong’. Finally, I will take also into account the recent discovery made by Hawkins of an inscription from Aleppo written in Hieroglyphic Luwian where the name for Philisteans appears.

Yakubovich, Ilya: Phoenician and Luwian in the Kingdom of Que/Hiyawa

A number of Luwian and Phoenician bilinguals stem from the Early Iron Age kingdom of Que/Hiyawa, located in southern Anatolia (classical
Cilicia). The most famous among them are the inscriptions of KARATEPE and ÇİNEKÖY. Many modern studies of these bilinguals assume the primacy of their Luwian versions, which would then be translated into Phoenician, the regional lingua franca. The motivation for such an analysis appears to be primarily sociolinguistic. There is no reason to believe that Phoenicians ever settled in the Luwian-speaking Cilicia in large numbers.

I believe that the question of the relationship between the languages of the bilinguals is essentially empirical. The close reading of the KARATEPE and ÇİNEKÖY bilinguals yields threefold evidence for the primary character of their Phoenician versions. First, there are outright errors, where the Luwian translators appeared to have misundestood the Phoenician version. Second, one comes across verbose Luwian paraphrases of laconic Phoenician sentences. Third, it is easy to identify syntactic calques from Phoenician into Luwian.

Looking for a sociolinguistic interpretation of this seemingly paradoxical conclusion, one has to keep in mind that the kingdom of Que/Hiyawa was ruled by the “House of Mopsus”, a dynasty of Aegean origin which arrived to Cilicia within the context of Sea Peoples’ migrations. These rulers could cultivate the written use of Phoenician as a way of asserting their separate cultural identity, in contrast to the rulers of neighbouring Neo-Hittite states. The Luwian translation of the Phoenician versions was a concession to the Luwian-speaking communities of Que/Hiyawa.