Panel: Classical Arabic Philology

Schedule

Room: JO 1, Johannisstraße 1-4, Building Exzellenzcluster “Religion und Politik”
Day Time    
Thu 13:30-14:00 Dmitriev Analytical Database of Arabic Poetry
Thu 14:00-14:30 Müller Das Schawahid-Projekt in der Kommission für Semitische Philologie der BAdW, München
Thu 14:30-15:00 Özkan Mamlukische Zajal-Tradition am Beispiel der zwölf zajals in al- Ibrāhīm al-Miʿmārs (gest. 749/1348) Diwan
Thu 15:00-15:30 Käs Galens eigene Synopse des Methodus medendi – ein verloren geglaubtes Werk im Lichte eines arabischen Neufundes
Thu 15:30-16:00 Pause
Thu 16:00-16:30 Pomerantz The Play of Genre: A Maqāma of “Ease after Hardship” from the 8th/14th century and its Literary Context
Thu 16:30-17:00 Schmidt Philologie schafft Ordnung!? – Einige medientheoretische Überlegungen zu den Voraussetzungen für philologisches Arbeiten im Frühislam
Thu 17:00-17:30 Sadan Syntactic and semantic constraints of the structure of the adverbial accusative of cause and purpose (al-mafʿūl lahu), according to Arab grammarians
Thu 17:30-18:00 Kaufhold Das Eichstätter Projekt “Orientalische Quellen zum Kirchenrecht”

Panel leaders:

Kirill Dmitriev, Kathrin Müller

Panel description:

The panel is dedicated to various topics of the classical Arabic language and literature and offers an opportunity to present projects focusing on the fundamental research in the field of classical Arabic philology. As slip boxes are no longer used in philological data mining, the panel will also discuss digital methods and tools of research offering new forms of international cooperation.

Presentations should not exceed 20 minutes, shorter presentations of 10 minutes are also welcome. Each presentation will be followed by a 10 or 5 minutes discussion respectively.

The working languages are German and English.

Section:

Arabic Language and Literature

Abstracts of the individual presentations:

Dmitriev, Kirill: Analytical Database of Arabic Poetry

One of the key tasks of the ERC funded project “Language-Philology-Culture. Arab Cultural Semantics in Transition” (https://arts.st-andrews.ac.uk/arsem/) is to explore the semantic development of the vocabulary of the Arabic language and to develop a comprehensive lexicographical research tool on the basis of early and classical Arabic poetry – the Analytical Database of Arabic Poetry. The Database will represent an important contribution to the emerging field of digital studies in Arabic philology. It will include data on the vocabulary of early Arabic poetry (6th-8th centuries A.D.) in the form of an electronic dictionary. With the help of the analytical tools of the database, each lexeme of the entire lexical corpus will be assessed in relation to the literary framework of its attestation including information on the genre of the relevant poetic text and on the tribal, chronological and geographical background of its author. Moreover, the database will record in detail the data of textual transmission of the works of early Arabic poetry in the context of Arab-Muslim scholarship of the 8th to 10th centuries. The comprehensive collection of data and its analytical classification will for the first time allow systematic investigation into the process of semantic change in the Arabic language and the development of a philological approach to the language.

Käs, Fabian: Galens eigene Synopse des Methodus medendi – ein verloren geglaubtes Werk im Lichte eines arabischen Neufundes

Eines der medizinischen Hauptwerke Galens ist die der praktischen Heilkunde gewidmete Θεραπευτικὴ μέθοδος (De methodo medendi). Das umfangreiche Werk war von Galen selbst auch in einer abgekürzten Version veröffentlicht worden. Von dieser Synopsis methodi medendi (Τῆς θεραπευτικῆς σύνοψις) ist im Griechischen nur ein einziges Fragment erhalten. Ḥunain berichtet in seiner Risāla, dass die „Abkürzung des Buchs der Heilkunde“ (Muḫtaṣar Kitāb Ḥīlat al-burʾ) aus zwei Büchern bestand und von Ibrāhīm ibn aṣ-Ṣalt ins Syrische übersetzt worden war. Über eine arabische Version weiß er nichts zu berichten, dennoch muss eine solche bereits Abū Bakr ar-Rāzī vorgelegen haben, der in seinem Ḥāwī eine Reihe von Zitaten aus einem Muḫtaṣar Ḥīlat al-burʾ bringt.

Ansonsten galten die orientalischen Übersetzungen bis vor kurzem als verloren. Erst 1999 konnte Ivan Garofalo nachweisen, dass die Handschrift Princeton, Garrett 1075 zumindest Teile davon überliefert. Das Manuskript enthält die Summaria Alexandrinorum zum Methodus medendi, die jedoch im siebten Buch abbrechen. Der Rest wurde aus der Synopse ergänzt. Der Referent konnte nunmehr nachweisen, dass die Synopse vollständig in der Handschrift Istanbul, Ahmet III. 2043 enthalten ist (184 foll.). Diese ist mit Ǧawāmiʿ bzw. Iḫtiṣār Ḥīlat al-burʾ li-Ǧālīnūs iḫtaṣarahū li-baʿḍ iḫwānihī überschrieben („Summarien der ‚Heilkunst‘ von Galen, die er für ein Mitglied seines Zirkels abgekürzt hat“). Beide Redaktionen der Synopse unterscheiden sich in einigen Punkten, insbesondere hinsichtlich der Materialeinteilung. Ms. Istanbul besteht tatsächlich aus zwei Büchern. In Ms. Princeton ist hingegen die Einteilung der 14 Bücher des Grundwerks erkennbar. Auch im Wortlaut gibt es Divergenzen, obwohl beiden Redaktionen erkennbar dieselbe Übersetzung zugrunde liegt. Der Grund mag in einer Bearbeitung durch den Kompilator der Princeton-Redaktion gesehen werden.

Kaufhold, Hubert: Das Eichstätter Projekt “Orientalische Quellen zum Kirchenrecht”

Die zahlreichen kirchenrechtlichen Quellen der verschiedenen orientalischen Kirchen sind bisher sehr unterschiedlich bearbeitet worden. Die in Ägypten entstandenen oder verbreiteten Texte in koptischer und arabischer Sprache liegen – wenn überhaupt – zum größten Teil in Ausgaben vor, die heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen.

Das gilt auch für die frühchristlichen Kirchenordnungen in arabischer Sprache, die letztlich alle auf griechische Vorlagen zurückgehen, aber in ganz unterschiedlichen Versionen überliefert sind. Ihnen ist das Eichstätter DFG-Projekt gewidmet. Es geht u. a. darum, das Verhältnis dieser Quellentexte zueinander zu klären. Von Interesse ist auch, ob die betreffenden Texte unmittelbar aus dem Griechischen oder über ein koptisches Zwischenglied übersetzt wurden, und welche Übersetzungstechnik angewandt wurde. Um diese Fragen (und manche anderen) beantworten zu können, ist es erforderlich, kritische Textausgaben zur Verfügung zu haben.

Eine erste Schwierigkeit ist, die dafür erforderlichen Handschriftenphotos zu bekommen, wenn es sich um Handschriften orientalischer Sammlungen handelt. Den gleichen Service wie bei europäischen Bibliotheken darf man dort nicht erwarten.

Ein bekanntes Problem, vor dem auch die Mitarbeiter in Eichstätt stehen, betrifft die arabische Textgestalt. Die Texte sind nicht dem Hocharabischen, sondern dem sog. Christlich-Arabischen zuzurechnen. Eine schwierige Frage ist, wie man den Text einer Ausgabe erstellen soll: soll man ihn lassen, wie man ihn vorfindet, oder soll man sprachliche “Vulgarismen” ausmerzen. Es ist häufig kaum festzustellen, ob volkssprachliche Abweichungen von der Hochsprache nur auf das Konto ungebildeter Abschreiber gehen, oder ob schon der Verfasser, Übersetzer oder Bearbeiter in dieser Sprachform geschrieben hat.

Müller, Kathrin: Das Schawahid-Projekt in der Kommission für Semitische Philologie der BAdW, München

Der Münchner Arabist und Semitist Anton Spitaler hinterließ bei seinem Tod im Jahr 2003 nicht nur seine umfangreiche Fachbibliothek, sondern auch seine Sammlungen zur alt-arabischen Poesie der Kommission für Semitische Philologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, um dort eine Grundlage für weitere Forschungen auf dem Gebiet der klassisch-arabischen Philologie, hauptsächlich Lexikographie, zu bieten. In einem neuen, kleinen Projekt soll das Poesie-Material den Fachkollegen zugänglich gemacht werden; dieser Vortrag widmet sich der Vorstellung dieses Vorhabens.

Zu Spitalers Nachlaß gehört eine Zettelsammlung zur altarabischen Poesie, die über 1700 Nummern umfaßt. Es handelt sich um Verse, Gedichtstücke und auch ganze Gedichte, deren Zuordnung zu einem Dichter problematisch ist oder deren Textgestalt besondere Schwierigkeiten bietet. Zu fast jeder Nummer ist eine Fülle von Belegen geboten; ihre Aufarbeitung würde Klarheit zu den verschiedensten Problemen der einzelnen Verse bieten. Geplant ist, dieses Material zunächst in eine Datenbank zu überführen.

Zum Nachlaß gehört aber auch der letzte, unvollendete Artikel Spitalers, der eine Liste von über 800 ersten, vor allem in der philologischen Literatur verwendeten Halbversen (ṣadr) enthält; deren zweite Hälfte (ʿaǧuz) konnte Spitaler auf Grund seiner immensen Literaturkenntnis fast in jedem Fall entdecken, wodurch die Fragmente nun auch in Reimwort-Indices moderner Editionen auffindbar werden. Der mit mechanischer Schreibmaschine getippte Artikel in Umschrift wird von der Vortragenden für die Publikation vorbereitet und mit Indices ergänzt.

Özkan, Hakan: Mamlukische Zajal-Tradition am Beispiel der zwölf zajals in al- Ibrāhīm al-Miʿmārs (gest. 749/1348) Diwan

Der zu haltende Vortrag behandelt die formalen Eigenschaften und die thematische Vielfalt der zaǧals von Ibrāhīm al-Miʿmār (gest. 749/1348). Anders als bei den mamlukischen muwaššaḥāt wurde weder dem mamlukischen noch dem östlichen zajal eine Gesamtdarstellung zuteil. Darüberhinaus sind auch Studien zu einzelnen Beispielen dieses Genres spärlich gesät und reichen kaum aus, ein umfassendes Bild von ihm zu zeichnen.
Die zwölf zajals in al-Miʿmārs Diwan, einer davon ist ein Fragment, nehmen eine besondere Stellung ein: Sie spiegeln den Stil der, wie al-Ḥillī sie nennt, ägyptisch-mamlukischen bullayqs wieder, die sich durch derben Humor, vulgäre Sprache und zotige Thematik auszeichnen.

Pomerantz, Maurice A.: The Play of Genre: A Maqāma of “Ease after Hardship” from the 8th/14th century and its Literary Context

In this lecture, I discuss an unusual and hitherto unstudied maqāma  from the early 8th/14th century entitled the “The Maqāma of Relief After Hardship” (Maqāmat al-Faraj baʿd al-shidda) from the al-Maqāmāt al-Jalāliyya, a collection of 30 maqāmāt authored by al-Ṣafadī al-Barīdī (fl. 1st quarter of the 8th/14th century). After surveying the MJ collection and this particular maqāma, I claim that the author draws upon the well-known literary theme of “relief after hardship” in this maqāma in order to highlight its similarities and differences to the maqāma form inherited from his predecessors. I argue that al-Ṣafadī’s maqāma references the genre of “relief after hardship” in order to encourage reflection on features of the maqāma  in a period that was witnessing important changes to the form.

Sadan, Arik: Syntactic and semantic constraints of the structure of the adverbial accusative of cause and purpose (al-mafʿūl lahu), according to Arab grammarians

The adverbial accusative of cause and purpose (al-mafʿūl lahu) is a verbal noun in the accusative case that describes why, or for which purpose, the action takes place, as xawfan in harabtu xawfan – I fled for fear. The Arab grammarians present several constraints for having an accusative noun in this structure, most of which are agreed upon, such as (1) the necessity of having a maṣdar (verbal noun) and not just any noun; (2) the necessity that both actions denoted by the main verb and the verbal noun be carried out by the same agent; and (3) the necessity that both above-mentioned actions occur simultaneously. Another constraint, which only several grammarians raise, concerns the semantic nature of the verbal nouns that function as al-mafʿūl lahu. These grammarians claim that only “a mental or intellectual nomen verbi” (W. Wright) can be found in the structure of al-mafʿūl lahu, but in fact, there are examples in which this is not the case. This paper presents the grammarians’ syntactic and semantic constraints for the structure of al-mafʿūl lahu and examines if these constraints are indeed needed, according to their examples.

Schmidt, Nora: Philologie schafft Ordnung!? – Einige medientheoretische Überlegungen zu den Voraussetzungen für philologisches Arbeiten im Frühislam

Die Etablierung von technischen Begriffen, Methoden der Textanalyse und die Differenzierung von Textgattungen gehören zu den Errungenschaften von wissenschaftlicher Philologie. Insbesondere im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde von Kultur- und Medienwissenschaftlern das Medium der Schrift als eine Voraussetzung für die Fähigkeit zu kritscher Textarbeit akzentuiert.

Der Basrische Philologe Abū ᶜUbayda Maᶜmar ibn al-Muṯannā (st. 824/25) steht zum einen an der Schwelle zu einer institutionellen arabischen Gelehrsamkeit, und ebenso am Anfang einer zunehmenden Einbindung von Schrift als Medium der Wissensvermittlung und -bewahrung. Die arabische Historiographie zeichnet von Abū ᶜUbayda nicht nur das Bild eines geächteten Außenseiters unter den Grammatikern und Exegeten seiner Heimatstadt, sondern auch das eines frühen Befürworters des Buches und der Schrift.

Zwar ist der Status von Mündlichkeit und Schriftlichkeit bei der arabistischen Erforschung der Anfänge der arabischen Wissenschaftsgeschichte immer wieder diskutiert worden. Allerdings erschöpfte sich diese Diskussion meist in die Überprüfung der Authentizität der frühislamischen wissenschaftlichen Quellentexte. Inwiefern der medientechnische Wandel, der im 9. Jahrhundert die arabischen Wissenschaften bestimmte, die Arbeitstechniken der frühen Philologen veränderte oder konstituierte, ist bisher nur in Ansätzen untersucht.

In diesem Beitrag soll die These von der Voraussetzung von Schrift für philologische Arbeit am Gegenstand einiger Texte der frühen arabischen Sprachwissenschaft geprüft werden. Ist der Gebrauch von Schrift tatsächlich unabdingbar für wissenschaftliche Textkritik? Bleibt der kulturhistorisch beobachtbare Prozess der Verschriftlichung des vormals mündlich tradierten Sprachwissens auf die Dokumentation beschränkt, oder beschreibt der Wechsel des Mediums in der arabischen Philologie auch eine epistemische Wende?

Als ein Charakteristikum philologischer Arbeit lässt sich insbesondere die Etablierung von Gattungen als Kriterien der Ordnung und wissenschaftlichen Beherrschbarkeit von Texten benennen. Eine Untersuchung der ersten arabischen Gattungsbegriffe soll mit den, bereits in der Dichtung und im Koran selbst vorgestellten Begriffen für Textformen kontrastiert werden, um die scheinbar theoretisch abgesicherte Dichotomie von schriftlichem, philologischem, wissenschaftlichem gegenüber mündlichem, vorwissenschaftlichem Modus von Kritik infrage zu stellen.