Abstracts Old Testament Studies

Schedule

Room: F 229, 2. OG, Fürstenberghaus
Day Time    
Thu 13:30-14:00 Berlejung Reichspolitik und Lokalpolitik am Beispiel von Aschdod und Aschdod-Yam in der neuassyrischen Zeit
Thu 14:00-14:30 Salo Psalm 18 — Einflüsse aus der Umwelt Israels
Thu 14:30-15:00 Discussion
Thu 15:00-15:30 Leuenberger Der zweite Jerusalemer Tempel als Kern des (lokalen) Kosmos - Cancelled
Thu 15:30-16:00 Break
Thu 16:00-16:30 Kratz Tempel und Proseuche: Jüdische Lokalheiligtümer in Ägypten
Thu 16:30-17:00 Discussion
Thu 17:00-17:30 Achenbach Lokalheiligtümer in Kleinasien und Palästina im 4. Jh. v. Chr.
Thu 17:30-18:00 Vengeyi Debt, Land Dispossessions Equals Poverty in Africa: Reading Deut 15:12-18 through African Glasses
Thu 18:00-19:00 Knoppers New Developments in the Study of Ancient Samaria
Thu 19:00-19:30 Discussion

 

Abstracts of the individual presentations:

Achenbach, Reinhard: Lokalheiligtümer in Kleinasien und Palästina im 4. Jh. v. Chr.

Lokalheiligtümer in Kleinasien und Palästina im 4. Jh. v. Chr. Das Jahwe-Heiligtum in Jerusalem wurde nach Esra im 4. Jh. zu einem Zentrum der priesterlichen Schriftgelehrtheit. Zugleich gewann der Hohepriester als Repräsentant der Judäischen Gemeinschaft eine bis dahin nicht gekannte politische Bedeutung für die Stabilisierung der religiösen und ethnischen Identität der Israeliten in Juda und darüber hinaus. Nach dem Verlust Ägyptens musste Artaxerxes II ein Interesse an einer inneren Stabilisierung der Region haben. Im Westen Kleinasiens waren nach den Auseinandersetzungen mit Sparta und dem Königsfrieden von Sardes 375 v. Chr. und dem um 370 aufkeimenden Satrapenaufstand insbesondere die Region Karien, sofern sie der Herrschaft der Hekatomniden unterstand, aus persischer Sicht für die Sicherung des Reiches besonders wichtig. Sowohl Hekatomnos als auch sein Sohn Maussolos hatten als Könige des Karischen Bundes auch zentrale sakrale und kultische Funktionen. Darüber hinaus wurden ihrem Wirken vonseiten ihrer Bevölkerung satrapale Autorität zuerkannt. Die Auffindung des Sarkophages des Hekatomnos in Mylasa im Jahre 2010 ermöglicht aufgrund des auf dem Sarkophag entfalteten Bildprogramms neue Einsichten in das politisch-religiöse Selbstverständnis der Hekatomniden in ihrer Doppelfunktion. Der Vortrag geht der Frage nach, in welchem Verhältnis in beiden Regionen religiöse und politische Lokalautonomie und Identität zu den Interessen des Achämenidenreiches standen.

Berlejung, Angelika: Reichspolitik und Lokalpolitik am Beispiel von Aschdod und Aschdod-Yam in der neuassyrischen Zeit

Aschdod und Aschdod-Yam waren in neuassyrischer Zeit bedeutende Zentren, deren Lokalherrscher mit und gegen die Assyrer agierten. Der Vortrag beleuchtet die Vorgänge, die durch neueste Ausgrabungen vor Ort nun eindeutig profiliert werden können.

Knoppers, Gary N.: New Developments in the Study of Ancient Samaria

Until the last few decades, many scholars assumed that the rivalry between Judeans and Samarians was a dominant issue animating the life of Persian period Judah and Samaria. Indeed, some scholars believed that the relationship between the two groups was the most important ongoing religious issue in the life of the two adjacent provinces. Recent developments in archaeology, epigraphy, and biblical studies complicate, if not undermine such assumptions. In this paper, I would like to touch on some recent developments in the study of ancient Samaria, such as the discovery of a Persian-period temple precinct at Mt. Gerizim, the publication of the Samaria papyri, and the publication of Samarian coins, and explore how these developments may shed light on the state of Samarian-Judean relations in Achaemenid times. In the last section of my study, I would like to explore the extent to which it might be possible to draw a parallel between, on the one hand, the relationship of the administrative centre of Samaria to the sanctuary at Mt. Gerizim and, on the other hand, the relationship of the administrative centre of Ramat Rachel to the sanctuary at Jerusalem.

Kratz, Reinhard: Tempel und Proseuche: Jüdische Lokalheiligtümer in Ägypten

Neben den beiden Hauptheiligtümern der Jhwh-Religion in achämendischer und hellenistischer Zeit, dem Tempel auf dem Berg Garizim bei Sichem in der Provinz Samaria und dem Tempel von Jerusalem in der Provinz Judah (Jehud, Judäa), gab es weitere Lokalheiligtümer im Land und in der Diaspora. Drei solcher Heiligtümer sind für die jüdische Diaspora in Ägypten recht gut bezeugt: Elephantine (Jeb), Alexandria und Leontopolis. Während auf Elephantine und in Leontopolis ein Jhwh-Tempel betrieben wurde, sind für Alexandria, mehrere Gebetshäuser (Proseuchen bzw. Synagogen) belegt. Die inschriftlichen und literarischen Zeugnisse der drei jüdischen Kolonien lassen neben vielen Gemeinsamkeiten jedoch auch gravierende Unterschiede erkennen., insbesondere für Alexandria. Der Beitrag vergleicht die historische, politische, soziale, religions- und literaturgeschichtliche Situation an den drei Orten und versucht, eine Erklärung für die unterschiedliche Entwicklung zu geben, die die Stellung der jüdischen Diasporagemeinden zur persischen, ptolemäischen und seleukidischen Zentralregierung berücksichtigt und auch Rückschlüsse auf die religionspolitische Situation im Mutterland Palästina (Juda und Samaria) erlaubt.

Salo, Sofia: Psalm 18 — Einflüsse aus der Umwelt Israels

In der Diskussion um die altorientalischen Einflüsse in der Jerusalemer Tempeltheologie haben die Psalmen 2, 72 und 89 eine zentrale Rolle gespielt. Neben diesen zu Recht vieldiskutierten Texten sollte dem Psalm 18 größere Aufmerksamkeit gewidmet werden, denn er bietet interessante Beispiele für die vielfältigen, keineswegs monokausal zu erklärenden Fremdeinflüsse im Psalter.

In der neueren Forschung herrscht ein breiter Konsens über die vorexilische Datierung von längeren Abschnitten des Psalms 18, in denen auch die altorientalischen Einflüsse zu suchen sind. Das königliche Siegeslied in Ps 18,33‒49 enthält auffällige Gemeinsamkeiten mit den neuassyrischen Königsinschriften. Die Grundgedanken der assyrischen Königsideologie, die Weltherrschaft des Königs und die enge Beziehung zwischen den Göttern und dem König haben deutliche Entsprechungen im Psalm 18, der ein durchgängig positives Bild vom Königtum vermittelt. Die politische Situation der ersten Hälfte des 1. Jt. spricht weiterhin für einen assyrischen Einfluss, auch wenn manche Themen auch in Ägypten zu finden sind.

Die Theophanieschilderung in Ps 18,8‒16 ist oft in Bezug auf die Verbindungen mit ugaritischen Baal-Mythen thematisiert worden. Wegen der zeitlichen und geographischen Entfernungen zwischen Juda und Ugarit sowie der gegenseitigen Beeinflussung der altorientalischen Wettergötter sollte doch — auch wegen der assyrischen Hegemonie — gefragt werden, ob man hier nicht stärker mit den Einflüssen aus den Adad- und Ninurta-Traditionen zu rechnen hätte. In Ps 18,13 dürfte die Anspielung auf den melammu einen rein assyrischen Hintergrund haben, was seinerseits auch für die Verbindung zu den assyrisch-babylonischen Wettergöttern spricht.

Vengeyi, Obvious: Debt, Land Dispossessions Equals Poverty in Africa: Reading Deut 15:12-18 through African Glasses

Although Deut 15:12-18 like Exo 21:2-6 and Lev 25 deals with the subject of manumission of debt-slaves, a closer analysis shows that it has major differences with the other two texts dealing with the same subject. For instance, unlike Exo 21, it prescribes that upon release the former debt-slave be liberally provided for, in terms of cattle, grain and wine. But like Exo 21, Deut 15 is silent about the issue of land. It does not demand that the unjustly confiscated land; land appropriated on the basis of debt be returned to its owners, former slaves as does Lev 25. Thus, while Deut 15:12-18 signals a significant improvement in the conditions of slaves from Exo 21, its silence on the issue of land means the conditions of slaves remained as miserable as before. In fact, in Deut 15:12-18 the liberal provision of cattle, grain and wine only serves to camouflage exploitation. I agree with Zipporah Glass’s assumption that Deut 15 is ‘quite capable of undergirding exploitative features of Israel’s economic system while appearing to accommodate economically vulnerable persons’.[1] This paper therefore interprets Deut 15:12-18 in the light of the effects of liberal provision of humanitarian aid and debt to Africa.

[1] Zipporah G. Glass, ‘Land, Slave Labor and Law: Engaging Ancient Israel’s Economy’, JSOT 91 (2000), pp. 27-39 (27-28).